Ein Expertenbeitrag von Dr. med. dent. Stephanus Steuer, MOM Master of Oral Medicine Implantology,  MSc Master of Science Implantology and Dental Surgery, Spezialist für Ästhetik und Funktion in der Zahnmedizin DGÄZ


 

Veneers – hauchdünne keramische Verblendschalen – gelten als minimalinvasive Lösung zur ästhetischen Korrektur von Form, Farbe und Stellung der Frontzähne. Doch wie steht es um ihre Langzeitstabilität? Welche Materialien bieten die besten Ergebnisse? Und wie können Patient:innen selbst zur Langlebigkeit ihrer Versorgung beitragen? In diesem Beitrag beleuchte ich das Langzeitverhalten von Veneers im klinischen Alltag – aus zahnärztlicher Sicht und mit aktuellen Erkenntnissen aus Wissenschaft und Praxis.

1. Materialien im Vergleich: Feldspatkeramik vs. Lithium-Disilikat

Die Materialwahl ist entscheidend für Ästhetik, Festigkeit und Langzeitverhalten eines Veneers. Zwei Materialien haben sich besonders bewährt:

Feldspatkeramik

  • Vorteile:
    • Herausragende Transluzenz → exzellente Ästhetik, besonders bei hellen Zähnen
    • Gute Polierbarkeit
    • Sehr geringe Materialstärke möglich (0,3–0,5 mm)
  • Nachteile:
    • Geringere Biegefestigkeit → höheres Bruchrisiko
    • Vor allem für nicht stark beanspruchte Frontzähne geeignet

Lithium-Disilikat (z. B. IPS e.max Press/CAD)

  • Vorteile:
    • Hohe Festigkeit (bis 400 MPa)
    • Hohe Kantenstabilität
    • Auch für funktionell belastete Bereiche geeignet, insbesondere für Bruxer und CMD Patienten
  • Nachteile:
    • Etwas weniger lichtdurchlässig als Feldspatkeramik (kann durch Schichtung ausgeglichen werden)
    • Präparation 0,5-0,7 mm erforderlich

Fazit:
Bei rein ästhetischer Indikation und idealer Bisslage ist Feldspatkeramik die erste Wahl. Bei erhöhtem funktionellen Anspruch (z. B. Knirscher, Tiefbiss, Eckzahnführung) empfiehlt sich Lithium-Disilikat aufgrund seiner mechanischen Vorteile.

2. Haftung und Adhäsivtechnik: Fundament für den Langzeiterfolg

Die adhäsive Befestigung ist ein Schlüsselfaktor für die Lebensdauer von Veneers. Nur eine korrekt durchgeführte Klebung stellt die Verbindung zwischen Keramik und Zahnschmelz dauerhaft sicher. Dies ist auf die sehr ähnliche Struktur des Schmelzes und der Keramik zurückzuführen. Die Schmelzhydroxlapatite sind ähnlich strukturiert wie die Keramikkristalle und haben ein fast identische Mohshärte.

Wichtige Schritte:

  • Keramikvorbehandlung:
    • Mikroskopische Anrauhung der Innenfläche mit Flusssäure (je nach Keramiktyp 20–60 Sek.)
    • Silanisierung zur chemischen Haftvermittlung
  • Zahnvorbehandlung:
    • Mikroskopische Anrauhung des Zahnschmelzes mit Phosphorsäure (v. a. bei Schmelz)
    • Anwendung eines kompatiblen Adhäsiv/Bondingsystems
  • Befestigung:
    • Verwendung von dualhärtendem oder lichtpolymerisierendem Komposit-Zement

Eine kontaminationsfreie Umgebung gesundes, blutungsfreies Zahnfleisch und Schutz vor Mundfeuchtigkeit  ist für den Erfolg entscheidend. Dies bedeutet  Isolierung der Zähne mit Kofferdam (absolute ) oder OptraGate  (relative). Das Einsetzprotokoll muss absolut präzise eingehalten werden!

Bruchrisiko und Verfärbungen: Ursachen und Prävention

Bruchrisiko

  • Ursachen:
    • Parafunktionen (Bruxismus)
    • Ungünstige Belastung (z. B. bei okklusaler Fehlbelastung)
    • Zu dünne oder ungleichmäßige Präparation
    • Unzureichende Adhäsivtechnik
  • Prävention:
    • Individuelle Schienentherapie bei Knirschern
    • Funktionelle Analyse und Behandlung von Funktionsstörungen vor Behandlungsbeginn
    • Ausgewogene Okklusion und präzise eingestellter Biss postoperativ

Verfärbungen

  • Ursachen:
    • Randspaltbildung durch Alterung oder unzureichendem  Befestigungskomposits
    • Rauhe Oberflächen oder mangelnde Politur
    • Falsches oder nicht korrekt eingehaltenes Einsetzprotokoll
  • Prävention:
    • Hochglanzpolitur nach Zementierung
    • Lückenloser Zementabschluss
    • Regelmäßige professionelle Reinigung

4. Nachsorge: Schlüssel zur Langlebigkeit

Eine strukturierte Nachsorge ist essenziell – sowohl zur Früherkennung möglicher Komplikationen als auch zur Optimierung der Haltbarkeit.

Empfohlene Maßnahmen:

  • Regelmäßige Kontrollen (alle 3-6 Monate)
  • Professionelle Zahnreinigung mit nicht-abrasiven Polituren, idealerweise mir Air-flow und der GBT – Guided Biofilm Therapy
  • Okklusionskontrolle und Schienenkontrolle – insbesondere bei Bruxismus und CMD

5. Lebensdauer – was ist realistisch?

Die wissenschaftlich dokumentierte Überlebensrate von Veneers liegt nach 10 Jahren bei ca. 95–98 %, vorausgesetzt, Indikation, Technik und Nachsorge stimmen. Studien zeigen, dass Veneers aus Lithium-Disilikat geringfügig höhere Langzeitstabilität aufweisen, während Feldspatkeramiken in puncto Ästhetik leicht überlegen sind. Auch in der Langlebigkeit von Veneers vs Kronen liegt der Vortiel absolut auf der Seite der Veneers. Selbst bei notwendiger Reparatur oder Erneuerung eines Veneers kommt es nie zu einer Schädigung des Zahnes!

6. Innovationen

Ganz neu gibt es VEZneer, Zirkonveneers von Aidite dies sind extrem dünne, sehr helle und absolut bruchstabile Veneers aus Zirkon, welche besonders bei Patienten mit dem Wunsch nach sehr hellen weissen Zähnen zum Einsatz kommen, also Zähne mit den Bleachfarben BL 1-3.

Fazit: Ästhetik trifft auf Wissenschaft – aber Pflege entscheidet

Moderne Veneers sind langlebig, ästhetisch und substanzschonend – vorausgesetzt, Materialwahl, Adhäsivtechnik und Nachsorge werden konsequent umgesetzt. Patient:innen sollten von Anfang an über Pflege, Risiken und notwendige Kontrollen aufgeklärt werden. Denn: Auch die schönste Keramik braucht Zuwendung.

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